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Bildung zu Hause Alan Thomas

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Bildung zu Hause
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Seiten: 278
erschienen: 2007
ISBN: 978-3-940596-00-0
Preis: 18,90 EUR
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von Anke Caspar-Jürgens

Eine sinnvolle Alternative?

Dieser Beitrag stellt eine Auswahl von Texten aus dem neuen Buch des englischen Pädagogik-Professors Alan Thomas vor, um die Sorge zu nehmen, eine Bildung der Kinder von zu Hause aus könne das Kindeswohl bezüglich unzureichender Sozialisation beeinträchtigen oder das Entstehen von Parallelgesellschaften fördern.

Gerichte, Jugendämter und Schulbehörden befinden sich häufig in der Situation, die Gefährdung des Kindeswohls einschätzen zu müssen. Verweigert ein Kind die Schulanwesenheit, weil es zu Hause lernen möchte, sind die entsprechenden Stellen auf landläufige Vermutungen über Bildung von zu Hause aus und entsprechende frühere Rechtsentscheidungen angewiesen. Mit der nun vorliegenden Übersetzung einer wissenschaftlichen Studie zur Effektivität der Bildung von zu Hause aus (Home Education, Homeschooling, Unschooling) von Alan Thomas, der an der -North-ern Territory University in Australien forschte und heute in London lehrt, haben diese Gremien erstmals die Möglichkeit, sich auch in deutscher Sprache über die Potenziale und Grenzen solcher Bildung zu informieren. Die Studie wird soeben im Tologo-Verlag veröffentlicht.
Den Mangel an wissenschaftlicher Forschung in Deutschland zu gelungenen Lernprozessen außerhalb des etablierten Schulsystems beklagt in seinem Vorwort zum Buch auch der renommierte Erziehungswissenschaftler Wolfgang Hinte: „Die Zeit der erziehungs- und schulkritischen Publikationen in den 70er-Jahren scheint vorbei: Sie haben dem betonierten Schulsystem nur wenig anhaben können. Alternativen zur Schule, der stärkere Einbezug von Eltern in die Begleitung von Lernprozessen und die Konstruktion von Arrangements zur Achtung der kindlichen Individualität, ihrer Ressourcen und ihrem Eigen-Willen – diese Themen werden in den Schuldebatten eher stiefmütterlich behandelt.“ Lediglich im Rahmen der „Hilfen zur Erziehung“ (SGB VIII § 27ff) gäbe es, wenn auch unsystematisch, in wiederkehrenden Wellen Annäherungen an das Thema. Dabei würden erziehungskritische Thesen, bereits 1975 von Ekkehard von Braunmühl definiert, über systemisch begründete Konzepte zu kindlichen Lernprozessen neu eingebracht und eine beachtliche Renaissance erleben.
Professor Hinte begrüßt das vorliegende Buch daher als „einen bedeutsamen Beitrag zur bildungswissenschaftlichen Grundlagenforschung in dem vernachlässigten Bereich außerschulischer Bildungsprozesse im häuslichen Umfeld. “
Individueller Unterricht und informelles Lernen erschließen sich in ihrem Ablauf nicht ohne weiteres dem forschenden Zugriff. Das gilt ganz besonders im nicht-öffentlichen Bereich. Als umso bemerkenswerter schätzt Hinte die in dieser explorativen Studie untersuchten Prozesse ein, da sie auch provozierende Fragen an schulische Lernprozesse und Strukturen stellen. Er hofft infolgedessen auf engagierte Bildungsforscherinnen und -forscher zur Beantwortung offener Fragen, beispielsweise, wie über Home Education gebildete Kinder bei „Pisa“ abschneiden würden. Er führt weiter an: „Dennoch wird man in Deutschland (bei diesem Thema) dicke Bretter bohren müssen. Da trifft sich ein empirisch nicht begründbares und dennoch tief verwurzeltes Grundvertrauen in die Schule mit einem grundsätzlichen Misstrauen in häusliche Sozialisation (wobei es schon zu denken gibt, wenn ein System, das erwiesenermaßen flächendeckend versagt, nämlich die Schule, nun auch noch als Ganztags-Variante realisiert werden soll). Wenn indes dieses Buch die ihm gebührende Beachtung findet und dazu ermutigt, praktisch und forschend im Bereich der außerinstitutionellen Bildung voranzuschreiten, so lässt das nicht nur hoffen für einen entsprechenden strukturellen Umbau, sondern auch für die selbstbestimmte Entwicklung der ohnehin stark vergesellschafteten Kinder und Jugendlichen.“
Für Alan Thomas’ Studie wurden in England und Australien 210 Kinder von 3 bis 21 Jahren und ihre Eltern interviewt. 48 Prozent der Eltern hatten keinen höheren Bildungsabschluss. Bei 29 Prozent hatte ein Elternteil einen Lehrberuf inne. In 26 Prozent der Familien besuchten andere Kinder die Schule.
Die folgenden Texte sind Auszüge aus Alan Thomas’ Buch, allerdings der besseren Lesbarkeit halber ohne Quellenangaben. Zitate von Eltern, mit denen Alan Thomas Interviews geführt hat, sind darin eingestreut.

Kinder werden geboren, sie lernen laufen, sie lernen sprechen, sie gehen zur Schule. Beschulung ist inzwischen in unserer Kultur so tief verankert, dass wir zur Überzeugung gekommen sind, ohne Schule könne es keine Bildung geben. Im Einklang damit beruht alles, was durch Forschung und Innovation zur Verbesserung der Bildung getan wird, auf der Annahme, Beschulung und Bildung seien austauschbare Begriffe. Das ist verständlich, weil Kinder zumindest seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts fast ausnahmslos zur Schule gingen. Aber dies hielt uns davon ab, über andere Wege der Bildung von Kindern nachzudenken. Die Überzeugung breitete sich aus, was in der Schule für Lehren und Lernen gelte, sei allgemein gültig .
In den meisten anderen Ländern oder Staaten, wie in Australien, Ozeanien, Nordamerika und Europa, ist – mit wenigen Ausnahmen – Bildung zu Hause möglich; gelegentlich gibt es Schwierigkeiten mit den Behörden. Die Regierung von Neuseeland unterstützt Familien, die Bildung zu Hause praktizieren, sogar finanziell (so auch in Irland, Kanada und Australien, Anm.d.Red.). In der bisher vorliegenden Forschung wird Bildung zu Hause eher als gesellschaftliches Phänomen behandelt; sie befasst sich mit der historischen Entwicklung, den Gründen, rechtlichen und politischen Aspekten und den Auseinandersetzungen mit Behörden und Experten. Obwohl sich hinsichtlich der erreichten Bildungsabschlüsse positive Ergebnisse gezeigt haben, wurde nie ein systematischer Versuch unternommen, herauszufinden, wie Eltern die Bildung ihrer Kinder zu Hause tatsächlich anpacken. Das ist Schwerpunkt des Buches.

Individuell auf Kinder eingehen
Eine mehr als zweitausend Jahre zurückreichende philosophische Überzeugung besagt, dass die Begegnung der Gedankenwelten zweier Menschen grundlegend für jeden pädagogischen Prozess ist. Von Rousseau, John Dewey, dem „Child-Study-Movement“ und dem „-Plowden-Report“ bestätigt, beherrschte diese Überzeugung bis vor kurzem die Überlegungen zur Bildung und die Lehrerausbildung. Die offenkundige Unmöglichkeit, Kinder im Klassenverband individuell zu unterrichten, wurde letztlich in den 1980er-Jahren durch Studien belegt. Obwohl Kinder in der Schule nicht individuell unterrichtet werden können, hält sich die Überzeugung, dass es so sein sollte. In Schulleitbildern wird regelmäßig phrasenhaft auf die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse des Kindes verwiesen. Hochschullehrer schüren diese Sprücheklopferei in Büchern zur Lehrerausbildung.
Durch Forschungen in beeindruckendem Umfang kamen einige Forscher, wenn auch widerwillig, zu dem Schluss, es seien keine wesentlichen Verbesserungen zu erwarten, es sei denn, es würde den Lehrern irgendwie ermöglicht, auf die Kinder einzeln einzugehen. Aber nicht ein einziger Experte oder Hochschullehrer hat einen Vorschlag, wie das erreicht werden könnte.
Individualisierter Unterricht kann nicht in der Schule erforscht werden, weil er dort selten stattfindet. Die einzige Möglichkeit, in einer Situation, in der individualisierter Unterricht für das Kind zur Tagesordnung gehört, mehr herauszufinden, besteht darin, sich mit Kindern zu befassen, deren Bildung zu Hause statt-findet.

Sozialisierung in der Schule und der Familie im Vergleich
Die Fähigkeit eines Kindes, gesellschaftliche Beziehungen zu anderen Kindern und zu Erwachsenen aufzunehmen, spielt für sein persönliches Wohlergehen und für seine gesunde emotionale Entwicklung eine große Rolle. Im späteren Leben sind angemessene Sozialkompetenzen für die Teilnahme an der Arbeits- und Freizeitwelt der Erwachsenen und für die Aufnahme und Unterhaltung enger und erfüllender Beziehungen grundlegend wichtig. Ebenso wie der Erwerb von Wissen und kognitiven Fähigkeiten kann auch der Erwerb sozialer Kompetenzen durch die Untersuchung von unbeschulten Kindern erstmals aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet werden. Dies führt dazu, dass bestimmte Aspekte der sozialen Entwicklung in der Schule neu beurteilt werden müssen.
Es existiert die Überzeugung, dass Kindern, die nicht zur Schule gehen, Freundschaften vorenthalten -würden, dass sie isoliert seien und dass sie die Gelegenheit versäumten, soziale Kompetenzen zu erwerben, die für das Überleben in der Welt außerhalb der Familie und am Arbeitsplatz notwendig seien. Es wird befürchtet, sie könnten zu gesellschaftlichen Außenseitern werden. In ländlichen Gegenden könnte dieses Problem gravierender sein. Dennoch hat meines Wissens noch niemand angedeutet, dass Kinder, die auf abgelegenen Siedlungen im australischen Hinterland aufwachsen, in der Folge mit sozialen Schwierigkeiten zu kämpfen hätten.
Die soziale Komponente der Bildung zu Hause ist schwierig zu erforschen, und sei es nur, weil diese Kinder – jedenfalls in dieser Studie – eine sehr heterogene Gruppe bilden. Sie umfasst Kinder, die nie eine Schule besucht haben, und solche, die in verschiedensten Stadien ihrer Schulkarriere die Schule verließen, darunter auch einige, die immer noch unter den sozialen Schwierigkeiten litten, die zu ihrer Abmeldung von der Schule geführt hatten.
Nach einigen anfänglichen Befürchtungen scheinen die Eltern in den meisten Fällen mit den gesellschaftlichen Kontakten und der sozialen Entwicklung ihrer Kinder zufrieden zu sein.
Nachdem sie die Überzeugung gewonnen hatten, dass ihre Kinder sich normal entwickelten, begannen einige Eltern, die soziale Entwicklung in der Schule genauer zu untersuchen. Sie wiesen auf die ihrer Ansicht nach negativen Aspekte der gesellschaftlichen Kultur der Schule hin, insbesondere Anpassung an den Gruppenzwang der Gleichaltrigen, Missbrauch von Suchtmitteln und Mobbing. Einige beobachteten, dass die Organisationsform der Schule viele dieser Aspekte sogar unterstützt, indem sie die Schaffung einer Schulhofkultur fördert und die sozialen Kontakte praktisch auf Kinder des gleichen Alters beschränkt. Der Mangel an gesellschaftlichen Kontakten zu Erwachsenen während des größten Teils des Tages könnte sogar noch wichtiger sein.
Die Eltern waren sich der Bedeutung sozialer Begegnungen sehr bewusst und unternahmen große Anstrengungen, um den Mangel auszugleichen. Die nächstliegende Möglichkeit für soziale Begegnungen sind andere Familien mit Bildung zu Hause, obwohl es bis vor kurzem nur wenige solche Familien gab und sie weit voneinander entfernt lebten.
Eine Mutter, die seit den späten 1970er-Jahren Bildung zu Hause praktizierte, erklärte, wie isolierend es war, als sie anfing, dass es aber jetzt eine Gemeinschaft für Bildung zu Hause gäbe, mit „so vielen Aktivitäten, wie man sich nur wünschen kann.“ Es gibt jetzt tatsächlich viele recht lebendige Gruppen, in denen sich Familien, bei denen Bildung zu Hause stattfindet, regelmäßig treffen. Es war üblich, sich nach der Schule mit anderen Kindern zu treffen.
„Seine Freunde beneiden ihn. Er erzählt seinen Freunden, was er macht. Meistens sagen sie: ‚Du Glückspilz!‘ Er hat zuviele soziale Kontakte. Nach der Schule klingeln ständig Kinder an der Tür ... “
Kinder, die in der Schule in sozialer Hinsicht mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, erlebten, nachdem sie von der Schule abgemeldet worden waren, eine Verbesserung ihres gesellschaftlichen Lebens – sogar gegenüber anderen Kindern, die zur Schule gehen.

Kontakte mit Menschen jeden Alters
Die meisten Eltern wurden hinsichtlich der geringeren Zahl an Begegnungen mit Gleichaltrigen weniger ängstlich, als sie sahen, dass sich ihre Kinder normal entwickelten. Sie machten dagegen geltend, es gäbe mehr Möglichkeiten zu einer umfassenden, abgerundeten sozialen Entwicklung gemeinsam mit Kindern und Erwachsenen jeden Alters.
„[Er] hat Freunde jeden Alters, auch eine Dame in den Achtzigern, es ist also sehr vielfältig. “
„Sie treffen sich mit Jung und Alt. Das Schöne an Bildung zu Hause ist, dass sie auch mit Mädchen spielen dürfen! In der Schule war das tabu.“
Abgesehen von der Zeit, die die Kinder mit ihren Eltern verbringen, treffen sie sich auch mit Eltern anderer Kinder bei Versammlungen zur Bildung zu Hause, Ausflügen usw. Vielleicht bringt das zum Teil die Eltern zu der Überzeugung, dass sie sich in Gesellschaft aller Altersstufen wohlfühlen.
„Sie stehen mit Menschen jedes Alters im Austausch. In der High School sprechen die Schüler kaum mit denen, die nicht im gleichen Alter sind. Die meisten Kinder hier reden nur mit ihrer eigenen Altersgruppe. Kinder, deren Bildung zu Hause stattfindet, reden mit älteren Menschen und mit Babys.“
„Als die Mutter [meines Mannes] starb, verbrachten sie in dieser Woche sehr viel Zeit mit ihr. Wenn sie in der Schule gewesen wären, wäre das nicht möglich gewesen, aber sie haben sehr viel über das wirkliche Leben gelernt ... Als meine Schwester ein Baby bekam, ging [meine Tochter] für sechs bis acht Wochen zu ihr, ohne dass wir sie aus der Schule nehmen mussten.“
Im deutlichen Kontrast zu den Befürchtungen, Kinder, die nicht zur Schule gehen, würden keine sozialen Kompetenzen erwerben, berichtete eine ganze Anzahl von Eltern über das hohe Maß an Selbstvertrauen ihrer Kinder im Umgang mit Erwachsenen. Sie lernen, Beziehungen zu Erwachsenen aufzubauen, ihnen ins Gesicht zu sehen, als Gleichgestellte.
„Ab und zu widerspricht sie Erwachsenen. Ich fand es sehr schwierig, zu erklären, warum sie nicht widersprechen dürfe. Wir waren bei Freunden. Sie sagte zu einer bestimmten Sache ‚Nein‘ und blieb dabei. Sie lernen sehr viel, indem sie mit anderen Menschen reden. Sie haben eher die Freiheit, die Fragen zu stellen, die sie möchten. “

Soziale Kompetenzen in der Schule
In der Schule gibt es nur recht begrenzte Gelegenheiten, soziale Fähigkeiten zu entwickeln und einzuüben. Die Kinder verbringen nahezu ihre ganze Zeit in der Schule mit anderen Kindern, die im selben Schuljahr geboren wurden wie sie selbst. Das gilt auch für einen großen Teil der Zeit außerhalb der Schule.
In der Schule gibt es nur sehr wenige soziale Kontakte zu jüngeren oder älteren Kindern und noch weniger zu Erwachsenen. Es ist leicht zu sehen, wie sich Sitten, Werte und Verhaltensregeln der Gleichaltrigengruppen etablieren, was zu einem bemerkenswerten Anpassungsdruck führt und für diejenigen, die sich nicht anpassen, die Gefahr der Ächtung oder den Ausschluss aus der Gruppe zur Folge hat. Darüber hinaus sind bis zu eineinhalb Stunden des Schultags für gemeinsame Erholung auf dem Schulhof reserviert, wobei Kinder zusammengeworfen werden, die nicht viel miteinander zu tun haben. Kein Wunder, dass sich Schulhof-Hierarchien herausbilden und Mobbing um sich greift. Die Folge ist, dass diejenigen „sozialen“ Fertigkeiten erworben werden, die für das Überleben in der Schule notwendig sein mögen, aber in der Außenwelt kaum anwendbar sind.
Es gibt in der Schule praktisch keine Gelegenheit, soziale Beziehungen zu Erwachsenen aufzunehmen, um breiter gefächerte soziale Fertigkeiten zu erwerben. Solche Kompetenzen können ironischerweise nur außerhalb der Schulzeiten erworben werden. Natürlich bauen Lehrer gesellschaftliche Szenarien auf und besprechen mit den Kindern, wie man sich unter bestimmten gesellschaftlichen Umständen zu verhalten hat. Aber dies ist kein Ersatz für das Lernen durch lebendige soziale Kontakte im wirklichen Leben.
„Schule spiegelt nicht das Erwachsenenleben oder das Überleben in der Stellung als Erwachsener wider. Sie schult Kinder darin, die sozialen Schichtungen innerhalb einer Institution zu überleben. Das gesellschaftliche Leben in der Schule ist künstlich und verletzend – vielen Erwachsenen wurde ihr Selbstvertrauen in der Schule zerstört, vielleicht nicht so sehr in den ersten Grundschuljahren. Aber in den späteren Grundschuljahren und in der weiterführenden Schule.“
„Dass Kinder zur Sozialisation viele andere Kinder brauchen, ist ein Mythos. In der Schule lernen sie nur die sozialen Fertigkeiten, die sie in der Schule brauchen, denn danach ist man nie nur mit Menschen genau desselben Alters zusammen.“
„Bildung zu Hause ist entspannt, und es gibt -keinen Gruppenzwang von Gleichaltrigen, dem man sich anpassen müsste. Der Gruppendruck ist der schlimmste Aspekt der Schule. Der Druck an der Schule erlaubt einem nicht, man selbst zu sein.“
„Kinder scheinen sich zu verändern, wenn sie in die Schule kommen. Sie sind nicht mehr dieselben. Es ist der Druck der Gleichaltrigen. Man sieht den Unterschied.“
„Das Problem, das die Jugend mit dem Alter hat, wird von der Gesellschaft selbst geschaffen, denn wir sind von den anderen Altersgruppen getrennt. Wir versuchen, die Lücke künstlich zu überbrücken, aber gleichzeitig arbeiten wir fleißig daran, sie zu schaffen. “
Kinder, die sich nach einer Zeit von Bildung zu Hause für eine Rückkehr in die Schule entschieden, hatten wenig Anpassungsschwierigkeiten. Vielleicht sollten Eltern von Kindern, die in der Schule ernsthafte Probleme haben, ermutigt werden, sie eine Zeitlang aus der Schule zu nehmen, soweit es die Umstände zu Hause erlauben.
„Als sie zurückging, hatte sie nichts versäumt. Sie hatte überhaupt keine Lücken. Sie hatte mitgehalten und von der Zeit profitiert, in der sie nicht zur Schule ging. Sie hat diese Zeit auf jeden Fall gebraucht. Ihr Lehrer war von ihr sehr beeindruckt und fand sie toll. Sie kam fröhlich und zufrieden in die Schule, nicht scheu wie die anderen Kinder. Sie hatte keine Angst davor, in die Schule zu gehen, die einzige Schwierigkeit war, ihre eigenen hohen Ansprüche zu erfüllen.“
„Als sie vor eindreiviertel Jahren in die Schule zurückging, waren sie erstaunt, dass sie sich so gut einfügte.“

Der Lehrer soll der Feind sein?
Sogar Kinder, die wenig oder keine Schulerfahrung hatten, fanden den Übergang relativ schmerzlos. Natürlich gibt es bestimmte Bereiche, in denen sie Probleme hatten. Von der Tafel abzuschreiben, fanden sie schwierig.
„Als ich dorthin kam, musste ich eine Menge nachholen, um die Schule zu verstehen, zum Beispiel dass der Lehrer der Feind war. Die Leute sagen, ich wäre zur Schule gegangen weil ich musste. Grundsätzlich gefiel mir die Schule. Es war meine Entscheidung, dorthin zu gehen. “
„Schule ist sehr ‚schulmäßig‘, frustrierend. Man verbringt so viel Zeit damit, auf irgendetwas zu warten, darauf, dass irgendjemand kommt, weil man nicht die richtigen Bücher oder Kopien hat, weil man auf den Lehrer wartet, während er jemand anderem hilft. … Als ich in der Schule ein paar Bücher aufhob, die der Englischlehrer fallen gelassen hatte, sagte mir ein Junge, ich solle das nicht tun: ‚Der Lehrer ist der Feind.‘“
Wie weit gelingt es also der Schule, Kinder auf das Leben in der Welt der Erwachsenen vorzubereiten? Wie weit trägt die Schule als Institution, durch ihre Struktur und Organisation zu Altersdiskriminierung, zu Anpassung an die Gleichaltrigen, zu Mobbing und zur Einführung in Drogenmissbrauch bei? Sind Schulkinder im Vergleich zu unbeschulten Kindern in sozialer Hinsicht selbstsicherer, unabhängiger und reifer, wie behauptet wird? Sind sie besser für den Eintritt in die Welt der Erwachsenen vorbereitet? Die entsprechende Forschung kann bisher noch keine Antworten liefern. Durch die Beschreibung sehr unterschiedlicher Arten von für Kinder prägenden gesellschaftlichen Erfahrungen wirft sie aber grundlegende Fragen hinsichtlich der sozialen Entwicklung aller Kinder auf.
Ob Bildung zu Hause nun in sozialer Hinsicht vorteilhaft ist oder nicht, Kinder haben bei Bildung zu Hause jedenfalls mehr Gelegenheiten zu bestimmten, in sozialer Hinsicht bereichernden Erfahrungen als Kinder, die zur Schule gehen. ´


Anmerkungen:
(1) Mitte der 1920er-Jahre schufen wohlhabende amerikanische Familien Fonds für Fachbereiche „Kindliche Entwicklung“ an amerikanischen Hochschulen. Dies führte zu einem Jahrzehnt bedeutender Forschung, die das Fundament für das derzeitige Verständnis der kindlichen Entwicklung und Früherziehung legten. Diese Zeit ist als Child-Study-Movement bekannt.
(2) Als Plowden-Report wird eine Studie des Central Advisory Council For Education in Großbrittannien über Grundschulerziehung genannt. Der Report wird für seinen kinderzentrierten Zugang zu Erziehung gelobt.

zur Website: kurskontakte.de

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